Welcome to Koh Lanta!

Nachdem wir vier Tage auf Koh Phi Phi Kokosnusscocktails und Mango-Shakes geschlürft und uns den Bauch mit Pad Thai vollgeschlagen haben, schleicht sich langsam Langeweile ein. Und so schön es auch ist, vom Meeresrauschen geweckt zu werden und stundenlang die verschiedenen Türkistöne im Wasser zu zählen, – langsam brauchen wir wieder mehr life, einen Kulissenwechsel!
Also wieder zurück zur Fährenstation von Koh Phi Phi. Wir vertreiben uns die Wartezeit mit einem Bummel durch die Marktstraße. Ein Thai, der einen Fischstand betreut, ist so freundlich währenddessen unsere Rucksäcke zu beherbergen. Am Markt herrscht ein unheimliches Gewusel, das Angebot geht von Klamotten über Essen bis hin zu 10minütigen Massagen.
Ein Mittagessen und ein paar Corona später bringt uns die Fähre in drei Stunden zur nächsten Insel: Koh Lanta.

Ich ahne noch nicht, dass ich nun vor dem absolutem Höhepunkt unserer Reise stehe und bin zunächst einmal nur erleichtert, vom Schiff zu wanken und wieder festen Boden unter meinen Füßen zu haben. Ich wäre kein guter Matrose.
Das Gefühl „Ankommen wollen“ wird allerdings gleich verdrängt vom Gefühl „Wegkommen wollen“ – nämlich von der Fährenstation. Die wartenden Taxifahrer sind äußerst geschäftstüchtig und folgenden den aussteigenden Touristen hartnäckig, so dass ich trotz 35 Grad und knallender Sonne ein paar hundert Meter mit meinem Backpack in Richtung Innenstadt jogge.

Rückblickend eine gute Entscheidung für Ausdauer und Geldbörse: Nach zwei Mal Herumfragen hat Stefan herausgefunden, dass regelmäßig Trucks für nicht einmal ein Viertel des Taxifahrtpreises in die Stadt brausen. Ein Taxifahrer bemerkt unsere Infostelle – ein hilfsbereiter, alter Mann – und vertreibt ihn wütend. Geschäftsschädigende Pensionisten haben in seinem Gebiet nichts verloren.
Fünf Minuten später sitzen wir mit einem Pärchen aus Australien, fünf grölenden Iren und drei Thais ungesichert auf der Ladefläche eines Trucks, der eigentlich nur Platz für sechs Personen bietet.
‚Passt scho’, Einquetschen ersetzt Anschnallen’, denke ich, und da wir mittlerweile sowieso Experten darin sind, Sicherheitsbedenken rigeros wegzuschieben, schließe ich die Augen und genieße die rasante Fahrt quer durch Koh Lanta.

Die Insel ist ein wahres Backpacker-Paradies: Hostels, Bars, Märkte und viele versteckte, abgelegene Strandabschnitte mit kleinen Hütten machen Koh Lanta zu einer richtigen Hippie-Insel.

Nach einer guten halben Stunde Fahrtzeit verabschieden wir uns mit einer Umarmung von den Australiern, wünschen ihnen alles Liebe und lassen uns von ihnen widerrum “no worries” wünschen, springen von der Ladefläche und legen das letzte Wegstück zu Fuß zurück. Wir ziehen in ein Hostel, das auschließlich von muslimischen Frauen betrieben wird. Drei Mal täglich wird über Lautsprecher zum Gebet gerufen. Google klärt uns auf: In diesem Teil Thailands wird überwiegend der muslimische Glaube gelebt.
Zum Hostel gehört ein atemberaubener Infinity-Pool, ein Luxus, den wir allerdings kaum nutzen werden: 100 Meter weiter liegt der wunderschöne Strand.

Am nächsten Morgen geht es nach einem ausgiebigen Frühstück und einem google-Übernachtungscheck-Check für die nächste Nacht weiter.
Um die Insel besser erkunden zu können, fahren wir zunächst per Anhalter weiter und leihen uns einen Roller.
Best desicion ever! Wir fahren vorbei an sagenhaften Buchten, sehen Affen und die ersten Elefanten. Ich bin atemlos und kann mir nicht vorstellen, Koh Lanta jemals wieder zu verlassen. Auf der Insel gibt es Regenwald, wir planen den Trip dorthin für den nächsten Tag ein.
Während Stefan Sprit für unseren Roller holt (wird auf kleinen Ständen in Trinkwasserflaschen verkauft > in der prallen Sonne!) beobachte ich die Affen, die sich hinter mir im Gebüsch tummeln. Sie sehen niedlich aus, aber ich weiß es aus der Beobachtung schon besser.
Schnell verstaue ich mein Brot im Rucksack, sie sollen nicht sehen, dass ich etwas Essbares bei mir habe. Affen sind unheimlich freche Diebe, die auch nicht ungefährlich sind, sobald sie dich zu fünft angreifen und dir fauchend ihre Beißer entgegenstrecken.

Unser nächster Tag auf Koh Lanta beinhaltet einen Urwaldspaziergang, eine Leuchtturmbesichtigung und ein Abendessen am Aussichtspunkt von Koh Lanta. Unerträglich schön.
Es war der wohl wunderbarste Tag unserer bisherigen Reise.
Am liebsten würde ich für immer hier bleiben.

Maya Beach

Mein nächster Tag auf Koh Phi Phi beginnt um halb vier Uhr morgens und damit deutlich früher als geplant. Grund ist eine Bombenerkältung, die ich mir zugezogen habe. Ich schaue vorwurfsvoll zur Klimaanlage, die mich die letzten Stunden direkt angeblasen hat und überlege, wie hart Sachbeschädigung in Thailand wohl bestraft wird.
Mein Freund schläft friedlich, ich beneide ihn und entscheide, ihn nicht zu wecken.
Er hat sich ein schöneres Erwachen verdient, meine Stimme klingt, als hätte ich die letzten 20 Jahre in einer Räucherbude gelebt.

Jetzt bin ich zum ersten Mal dankbar, dass ich wenigstens ein paar Reisetipps beherzigt und eine umfangreiche Apotheke mitgenommen habe. Ich mixe mir einen aufregenden Cocktail aus Schmerzmitteln und einem fiebersenkenden Pulvern zusammen und husche leise vor die Tür.
Bald erlebe ich schmerzfrei und leicht halluzinogen den atemberaubensten Sonnenaufgang, den ich mir nur vorstellen kann.
Stefan stoßt gerade noch rechtzeitig dazu und ich schließe kichernd die Augen: Das hier ist verdammt noch einmal das Schönste, was ich mir im Augenblick vorstellen kann!

Heute werden wir ‚maya beach‘ sehen. Die Insel liegt im Naturschutzgebiet und ist eines der absoluten Touristen-Highlights auf Koh Phi Phi, nicht erst seit Leonardo in „the beach“ seine Zehen in den mehlweißen Sand gebohrt hat.
First come, first serve!, denke ich und packe gutgelaunt Wasserflasche und Sonnencreme ein, in der festen Überzeugung, um diese Zeit den Strand noch weitgehend für mich alleine zu haben. Der Longtailbootfahrer drückt uns noch Taucherbrille und Schnorchel in die Hand und wir machen uns auf die dreißigminütige Fahrt zu Leos Traumstrand.

Wir brausen über das Wasser, das golden in der Morgensonne glitzert, vorbei an sagenhaften Buchten und gigantischen Felsen, die schon so viele Millionen Jahre vor uns da waren und weitere Millionen Jahre da sein werden. Der warme Fahrtwind ist zwar nicht optimal für meine Erkältung, dafür wunderbar für mein Gemüt.
Und plötzlich ist er da, der Strand. ‚Maya beach‘ liegt vor uns und ich bin einfach nur sprachlos. Sprachlos über all die Longtailboots, die bereits angelegt haben, sprachlos über die vielen Mädchen, die sich am Ufer räkeln, im Sand wie panierte Schnitzerl hin und her wälzen und mit ihrem Selfie-Stick für das perfekte Foto posieren.
Es sind viele frühe Vögelchen und allzu viele Würmchen gibt nicht mehr zu fangen. Aber trotzdem freuen wir uns sehr, hier zu sein. Denn wie heißt es so schön? Beschweren Sie sich nicht über den Stau- Sie SIND der Stau! Beschwere dich nicht über die vielen Touristen, du bist auch einer!

Wir verzichten darauf, am Strand anzulegen und schnorcheln lieber ein paar Runden dort, wo Leonardo nur knapp einem Haiangriff entging. Auch sehr cool. Und ich muss mir mein Selfie wenigstens nur mit ein paar Fischmündern und mit keinen duckfaces teilen.

hihi, it’s Koh Phi Phi!

Wir alle kennen den Film mit Leonardo DiCaprio, in dem er sich aufmacht, um „the beach“ zu finden. Gleichgültig ob uns die Handlung spannend erscheint oder wir sie grottenschlecht finden – die Umgebung und der Strand sind einfach unglaublich schön. Und ob touristisch oder nicht: Ich will „the maya beach“ mit eigenen Augen sehen und checken, ob er echt so paradiesisch ist.
Wir drehen uns ein letztes Mal um, verabschieden uns schweigend/lächelnd von Phuket und setzen unsere Reise mit der Fähre weiter nach Süden fort, zunächst nach Koh Phi Phi.
Ein Blick auf meinen Backpack – er beinhaltet alles, was ich im Augenblick an Material besitze und benötige. Ein wunderbares Gefühl, ich bin glücklich.

Nach einigen Stunden Schaukelei, einer ganzen Packung Reisekaugummi und mit dem ersten Sonnenbrand seit meiner Ankunft betrete ich erstmals Koh Phi Phi’schen Boden. Es ist nicht ganz einfach, mit dem schweren Rucksack am Rücken, der an meiner beleidigten Haut reibt, an den zig Longtailbootfahrern vorbeizukommen. Sie bieten uns alle die günstigste Fahrt oder einen Schlafplatz an, mittlerweile wissen wir es schon besser.

Ich hab Kopfschmerzen und will momentan gar keinen Strand mehr sehen, sondern nur noch in ein möglichst kühles und dunkles Zimmer, um ein paar Stunden zu schlafen. Zuerst geht es aber noch einmal hinaus aufs Wasser, diesmal mit einem Longtailboot, das mich zu meinem nächsten Hostel auf „long beach“ von Koh Phi Phi bringt. 300 Baht für 15 Minuten zum Ziel, der Fahrer grinst und wir wissen, dass es viel zu teuer ist, aber ich habe gerade keine Kraft mehr um großartig zu handeln, deshalb einigen wir uns rasch auf 250 Baht. Noch schnell eine Aspirin eingeworfen und schon brausen wir über glasklares, türkises Wasser, das mir den Blick bis ganz auf den Boden gewährt. Ich fühle mich wie die Blondine mit dem weißem Hut in der Raffaelo-Werbung. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, salt in the air und sand in my hair.. Glücklicherweise sitzt kein weißer Kakadu auf meiner Schulter, das wäre echt zu viel des Guten, aber sonst ist die Kulisse ähnlich: Verflucht schön.

Angekommen auf long beach lege ich mich dann doch mit einem eiskalten Pineapple-Shake zu meinem Freund in eine Hängematte und sehe der Sonne beim Abtauchen im Meer zu.